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Chinesische Patchwork-Fenster

Datum
Stell dir vor, jemand organisiert eine Patchwork-Ausstellung zum Thema Bayerische Maibaum-Schilder mitten in München am Marienplatz direkt beim Glockenspiel. Stell dir jetzt noch vor, eine Chinesin hätte die Inspiration geliefert, die dieser Ausstellung zugrunde liegt.

Das wäre schon irre, oder?

Und jetzt stellen wir uns das genau umgekehrt vor: eine Patchworkausstellung in Ningbo (China / viertgrößte Hafenstadt der Welt) im Drum Tower zum Thema Chinesische Fenster.

Um es gleich vorwegzunehmen: Als ich im Vorfeld meines Aufenthalts ein Kursprogramm zusammengestellt habe, in dem ich auf die Ornamente in den Holzgittern vor den Fenstern traditioneller chinesischer Häuser eingehe, kam ich mir schon komisch vor. Kulturelle Aneignung war und ist in aller Munde (auch in China) und überhaupt: Brauchen die Chinesen wirklich eine Deutsche, die ihnen etwas über ihre eigenen Fenstergitter erzählt? Mit Sicherheit nicht. Und daher war der Inhalt des Kurses auch nicht, welche Symbolik hinter den Mustern steht, sondern wie man sie näherisch umsetzt. Zu meiner großen Überraschung war dann auch genau dieser Kurs derjenige, den sich Pang aus einem Programm mit vier weiteren Angeboten für meinen Kurs in Ningbo ausgesucht hat.

Und so auch unsere Patchworkausstellung. Täglich kommen ca. 2.000–3.000 Besucher:innen vorbei. Sie lassen sich Patchwork erklären – und so wird die Begeisterung für diese Handarbeit auch in China weiterverbreitet. Eine Begeisterung, die aus einer Kooperation von deutschen und chinesischen Patchwork-Künstlerinnen entstand und zeigt, was eine interkulturelle Zusammenarbeit bewirken kann.

Barbara Lange