36 Quilts, eine alte Kirche und ganz viel zeitgenössische Textilkunst
Vom 17. bis 20. September 2026 war die „Tradition bis Moderne XIV“ beim 31. Carrefour Européen du Patchwork im elsässischen Sainte-Marie-aux-Mines zu sehen. Für die Patchwork Gilde Deutschland war das eine besondere Gelegenheit: Die aktuelle Ausgabe unseres jurieren Wettbewerbs präsentierte sich mitten in einer der wichtigsten internationalen Veranstaltungen für textile Kunst.
Ausgestellt wurde in der Église Sainte Madeleine – einem Ort, der den Quilts eine ganz besondere Atmosphäre gab. Zwischen historischen Mauern trafen traditionelle Quilttechniken auf freie, moderne und experimentelle textile Gestaltung.
Was bedeutet „Tradition bis Moderne“?
Alle drei Jahre lädt die Patchwork Gilde Deutschland ihre Mitglieder ein, ihre besten Arbeiten der vergangenen Jahre einzureichen. Dabei gibt es bewusst nur wenige Vorgaben: Kein festgelegtes Thema, keine vorgeschriebene Technik und keine bestimmte Größe. Entscheidend ist die Qualität der eingereichten Arbeiten – sowohl in der Gestaltung als auch in der technischen Umsetzung.
Für die XIV. Ausgabe sichtete die Jury die Arbeiten anonym. Marion Caspers, Monika Hülsebusch und Hilde van Schaardenburg wählten schließlich 36 Quilts für die Ausstellung aus.
Gerade diese Offenheit macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Traditionelle Muster können hier neben abstrakten Kompositionen stehen, präzises Piecing neben freien Formen und klassische Quilttechniken neben experimentellen Materialien und Oberflächen.
Von Suhl nach Sainte-Marie-aux-Mines
Ihre Premiere hatte die „Tradition bis Moderne XIV“ bei den Patchworktagen 2026 in Suhl. Von dort aus geht die Ausstellung auf Reisen und wird in den kommenden Jahren an verschiedenen Orten gezeigt. Die Gilde plant eine Ausstellungsdauer von etwa zwei Jahren.
Der Auftritt beim Carrefour war deshalb ein wichtiger Schritt auf dieser Reise. In Sainte-Marie-aux-Mines treffen jedes Jahr Textilkünstler, Quilter, Aussteller und Besucher aus vielen Ländern zusammen. Für die Arbeiten der Gilde bedeutet die Präsentation dort, dass sie einem internationalen Publikum begegnen.
Tradition und Moderne – kein Gegensatz
Wer durch die Ausstellung ging, konnte sehen, wie unterschiedlich sich Quiltkunst heute entwickeln kann. Manche Arbeiten greifen traditionelle Muster und Techniken auf und interpretieren sie neu. Andere lösen sich weitgehend von bekannten Quiltvorstellungen und nutzen Stoff, Farbe, Struktur und Quilting als eigenständige künstlerische Ausdrucksmittel.
Genau darin liegt die Idee von „Tradition bis Moderne“: Tradition ist kein feststehendes Ende, sondern ein Ausgangspunkt. Sie kann übernommen, verändert, hinterfragt oder völlig neu gedacht werden.
Die 36 ausgewählten Arbeiten zeigen damit auch ein Stück der aktuellen deutschen Quiltszene – ihre unterschiedlichen Handschriften, Themen und gestalterischen Wege.
Ein Stück Deutschland in Frankreich
Für die Patchwork Gilde Deutschland ist die Ausstellung beim Carrefour auch ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig internationale Begegnungen für die textile Kunst sind. Quilts reisen über Grenzen, treffen auf andere kulturelle Einflüsse und werden von Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen betrachtet.
Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten unseres Hobbys: Ein Quilt braucht keine gemeinsame Sprache. Farbe, Struktur, Muster und die Spuren der Handarbeit können unmittelbar verstanden werden.
Die „Tradition bis Moderne XIV“ ist damit nicht nur eine Ausstellung über das, was deutsche Quilter können. Sie ist auch eine Einladung zum Austausch – zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen unterschiedlichen künstlerischen Positionen und zwischen Quilter aus verschiedenen Ländern.
Neben der Tradition bis Moderne waren einige Quilts von Patch-Kids der Gilde im Wettbewerb "Wald" vertreten. Dieser Wettbewerb wird eigens für junge Quikter:innen von 5 - 25 Jahren ausgeschreiben. Sandra wird demnächst bei den Patch-Kids ausführlich darüber berichten.
Und natürlich wollen wir die "Insekten-Ausstellung" der EQA nciht vergessen. Uta Lenk hat dazu auf Instagram bereits viele Bilder gepostet. Es war bombastisch!